
Formelles und informelles Englisch: der richtige Ton
Stell dir vor, du öffnest eine E-Mail von einem Fremden, die mit "Hey mate, gonna be late!" beginnt. Stell dir nun vor, du schickst deinem besten Freund eine Nachricht, die mit "Dear Sir or Madam" beginnt. Beides ist grammatisch korrekt, und beides wirkt falsch. Zwischen formellem und informellem Englisch zu wählen ist eine eigene Schreibfähigkeit, die selten unterrichtet wird. Hier ist ein einfacher Weg, es richtig zu machen.
Frag dich zuerst, wer liest
Wie förmlich du sein solltest, hängt vom Leser und von der Situation ab, nicht von deinem Englischniveau. Je weniger du den Leser kennst und je mehr auf dem Spiel steht, desto förmlicher solltest du schreiben. Eine Bewerbung, eine Beschwerde oder die erste E-Mail an einen Kunden verlangen formelles Englisch; eine Nachricht an einen Kollegen, den du täglich siehst, in der Regel nicht. Im Deutschen hast du dafür schon einen eingebauten Schalter: „du" und „Sie". Englisch kennt nur ein einziges "you", die Förmlichkeit muss also aus Wortwahl und Satzbau kommen.
Kurzformen und Zusammenziehungen
Zusammenziehungen wie I'm, can't und we'll lassen einen Text locker und natürlich klingen. Im formellen Schreiben verwendest du stattdessen die vollen Formen:
Informell: "I can't make it on Friday." / Formell: "I am afraid I cannot attend on Friday."
Informell: "We'll send it soon." / Formell: "We will send it shortly."
Gesprochene Formen wie gonna und wanna gehören nur in Nachrichten an Freunde, niemals in E-Mails an jemanden, den du nicht gut kennst.
Phrasal Verbs und einfache Verben
Phrasal Verbs klingen freundlich und natürlich, und genau deshalb wirken sie informell. Formelles Schreiben bevorzugt meist ein einzelnes, präziseres Verb. Wenn Phrasal Verbs neu für dich sind, beginne mit unserem Leitfaden für Einsteiger zu Phrasal Verbs und vergleiche dann:
find out → discover oder establish
ask for → request
look into → investigate
put off → postpone
Anrede und Grußformel
Anrede und Schluss einer E-Mail bestimmen den Ton, noch bevor der Leser deine Nachricht erreicht. Im britischen Englisch gelten üblicherweise diese Konventionen:
Formell, Name bekannt: "Dear Mr Jones" ... "Yours sincerely"
Formell, Name unbekannt: "Dear Sir or Madam" ... "Yours faithfully"
Neutral: "Dear Sarah" ... "Kind regards"
Informell: "Hi Sam" ... "Cheers" oder "Speak soon"
Höfliche Bitten und Verbindungswörter
Dieselbe Bitte kann locker, neutral oder sehr förmlich klingen, je nachdem, wie du sie formulierst:
Informell: "Can you send me the report?"
Neutral: "Could you send me the report?"
Formell: "I would be grateful if you could send me the report."
Formelles Schreiben stützt sich außerdem auf Verbindungswörter wie however und therefore, um Gedanken zu verknüpfen: Unser Beitrag mit den fünf Wegen, dein Schreiben zu verbessern, zeigt, wie das geht. Und wenn du denselben souveränen Ton mündlich brauchst, probiere die Formulierungen aus 10 Formulierungen für mehr Souveränität in Meetings.
Den richtigen Ton zu treffen ist viel leichter, wenn dir jemand sagen kann, wie deine Nachricht tatsächlich klingt. Mit JennyLingo kann ein Tutor deine E-Mails gemeinsam mit dir durchgehen, dir erklären, was zu locker oder zu steif wirkt, und dir helfen, jedes Mal das passende Register zu wählen.
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